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Nichtregelmäßige Veranstaltungen

Lebendiger Adventskalender

Auch 2017 wieder: Der Leben­dige Adventskalen­der! Für viele ein Muss in der Advents­zeit.

Am 01. Dezember, 18.00 Uhr, findet das erste Treffen statt. Aus der Liste kön­nen Sie entnehmen, bei welcher Familie wir uns an den einzel­nen Abenden treffen. Mit einer kurzen Geschichte, Gedichten und Adventsliedern soll ca. 20 Minuten Zeit zum Besinnen und zum Einstimmen auf Weihnach­ten sein. Heißer Punsch oder Tee und etwas zum Knabbern runden das Angebot ab. Wir treffen uns in den Gärten, also warm anziehen!

Am 07.12.17 ver­binden wir den Adventskalender mit dem Ad­ventssin­gen. Sylvia Ohse wird mit uns ab 19.00 Uhr Ad­vents- und Weihnachtslieder singen, die Sie sich wünschen. – Kirche! Am 27.12. können Sie die tolle Krippe bei Fam. Flamm sehen.

Bringen Sie bitte zu den Treffen eine eigene Tasse mit. Das er­spart den Gastgebern viel Ab­wasch! Falls kurzfristige Ände­rungen erforderlich werden, fin­den Sie diese im Schaukasten und auf unserer Home­page.

 

 

Datum

 

Einladende

 

Adresse

01. 12. Freitag

Wandergruppe

Evangelische Kirche

02. 12. Samstag

Familie Baum

Evangelische Kirche

03. 12. Sonntag

Bendrat

Birkenallee 84

04. 12. Montag

Bartel

Am Kleeschlag 83

05. 12. Dienstag

Saak

An den Schlenken 34

06. 12. Mittwoch

Löwendorf

Wasserstraße 15

07. 12. Donnerstag

Gemeinde

Ev. Kirche (mit Singen)

08. 12. Freitag

U. Nemitz

Wiesenweg 25

09. 12. Samstag

Dieck

Havelhausener Str. 19

10. 12. Sonntag

Braunsdorf

Am Luch 33

11. 12. Montag

Schleusener

Dorfstraße 1

12. 12. Dienstag

Winkler

Am Wasserwerk 8

13. 12. Mittwoch

Theaterverein

Alte Kapelle

14. 12. Donnerstag

Buhtz

Bärenklauer Weg 35 a

15. 12. Freitag

Sahr

Remontehof 9

16. 12. Samstag

S. Nemitz

Wiesenweg 50

17. 12. Sonntag

Dimitrov-Möbus

Str. d. Jungen Pioniere 32

18. 12. Montag

Pelz

Karl-Marx-Straße 72

19. 12. Dienstag

Rusch

Rosenstraße 23

20. 12. Mittwoch

Poldrack

Eichenallee 32 B

21. 12. Donnerstag

Bohnert

Hufeisenweg 18 a

22. 12. Freitag

Dorn-Baltes

Fohlenweide 40

27. 12. Mittwoch

Flamm                       An der Muhre 24

 

Pilgern auf Luthers Spuren - ein Reisebericht

Es ist Freitag der 16. Juni 2017

Start unserer Pilgertour war die Kirche in Leegebruch mit Andacht und Reisesegen. Ab ging es nach Sachsen-Anhalt in das Ursprungsland der Reformation, um auf den Spuren von Martin Luther die beeindruckende Geschichte hautnah erleben zu können. Unsere 1. Station war Eisleben, das Zisterzienserkloster Helfta. Uns erwartet eine interessante Klosterruine mit Hilfe von neuen Erweiterungen zusammengefügt. Auch der Innenraum mit einer gotischen Kuppel, seinen modernen hölzernen Baufragmenten und den imposanten Taufbrunnen fasziniert den Besucher. Das weitläufige Klosterareal lädt zum Verweilen ein. Das Zentrum von Eisleben ist wegen der 21. Sachsen-Anhalt-Tage gesperrt, das in diesem Jahr unter dem Motto „Die Welt zu Gast in Luthers Heimatstadt“ steht. Es geht vorbei an vielen Ständen und Bühnen, und schon stehen wir vor dem Geburtshaus von Martin Luther. Die Sammlung im Geburtshauses versetzte uns in das Mittelalter und ließ uns das Leben nachempfinden. Hier wurde uns wieder bewusst, dass der Schwan im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther steht. Von hier konnten wir einen Blick auf die Taufkirche St.Petri-Pauli werfen; die nur ein paar Gehminuten entfernt steht.

Sein Taufstein steht neben dem geräumigen, in den Boden eingelassenen Taufbrunnen. Die Kirche firmiert heute als ‚Zentrum Taufe‘.

Bevor es weiter geht, wird eine Pause in der Lutherschenke eingelegt mit Apfelstrudel und Buchteln.

In Eisleben sind so viele Orte mit Luther verknüpft, dass die Stadt einen eigenen ‚Lutherweg‘ markiert hat. Wir konnten ihm anhand der ins Straßenpflaster eingelassenen ‚Lutherrosen‘ folgen. Als nächstes führte uns der Weg zur St. Andreaskirche zur historischen Kanzel, von wo Luther seine letzten Worte predigte, bevor er verstarb. Gleich gegenüber befindet sich Luthers Sterbehaus. Dort konnten wir die Ausstellung sehen, die unter dem Thema „Luthers letzter Weg“ steht. Sie erzählt nicht nur von der letzten Reise des Reformators, um die Streitigkeiten zwischen den Mansfelder Grafen zu schlichten. Sondern beschreibt auch Luthers Einstellung zum Tod und seinen Umgang damit. Rund um Luthers Sterbehaus gibt es viel zu sehen: ein Mittelaltermarkt mit Gauklern, Schwertkämpfen und Schauhandwerk in historischen Kostümen.

Ein etwas komplizierter Weg, wegen der Sperrung in Eisleben, führte uns zum Schlosshotel nach Gerbstedt. Das Schloss wurde vor ein paar Jahren vom Schlagersänger Phil Stewman übernommen und wird seither Stück für Stück restauriert. Seitdem wird er auch liebevoll Schlagerbaron genannt. Als erstes bezogen wir unsere Zimmer. Heidi und Gerhardt die Hochzeitsuite, sehr romantisch. Alle tischen ihre Essensreste zum „Kalten Büffet“ auf. Wilfried spendiert Bier und Wein. Wir beschließen noch einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen, um die 1000jährige „Stadt“ zu erkunden. Bei unserem Rundgang sind wir vielen Burgen und Schlössern in Miniaturausgabe begegnet, die in jahrzehntelanger liebevoller Arbeit von Herrn Günther Beinert erstellt wurden. So standen wir auch vor dem Schloss Quedlinburg.

In Gerbstedt gibt es viele verfallene, unbewohnte, alte Häuser, aber auch schöne restaurierte. Viele Türme, die Kirchen, das Rathaus oder sonstige Gebäude schmücken. Es ist 22 Uhr und allmählich kehrt Nachtruhe in unser 6-Bettzimmer ein. An Licht wird gespart. Im Flur und im Bad, das wir uns teilen, geht die Lampe durch einen Bewegungsmelder an und aus. Das hält uns beim Duschen in Bewegung. Im Zimmer sind nicht alle Nachttischleuchten intakt, die Stehlampe hat nur eine Glühbirne, die auch nicht brennt. Gute Nacht.

 

Samstag, 17. Juni 2017

Nachdem uns gestern die ein oder andere Regenhusche begleitete, sieht es nach einem sonnigen Samstag aus. Die Sonnenstrahlen kitzeln an der Nase, und schon rekeln sich die Ersten. Machen Turnübungen im Bett oder auf dem Handtuch. Die Eine lässt sich eine Banane schmecken oder schläft, laut schnarchend, den Schlaf der Gerechten. So geraten alle allmählich in Bewegung. Nach dem Frühstück noch eine kleine Schlossbesichtigung und auf geht es Richtung Unterrissdorf zu Luthers "Kalte Stelle". An diesem Ort soll der Wind so unerbittlich pfeifen, dass Martin Luther auf seiner letzten Reise erbärmlich fror. Sein Hirn sei zu Eis geworden, so schreibt der Reformator in den letzten Briefen an seine Frau. Der Wind wehte und ließ auch uns an dieser Stelle ein wenig frösteln. Als Ausgangspunkt für unsere Pilgerstrecke hielten wir hier unsere Morgenandacht. Es war keine Wegmarkierung zu finden, es ging an der Straße entlang. Ein Läufer kommt uns entgegen. „Ich muss Sie jetzt anhalten! Befinden wir uns auf den richtigen Weg? Wir wollen auf den Lutherweg nach Seeburg!“ – „Ja zwar „Scheiße“ aber es gibt keinen anderen. Aber Sie können sich beruhigen der „Süße See“ ist noch da – ich habe den See gerade umrundet.“ Also weiter geht’s, der Weg ist das Ziel. Ab dem kleinen beschaulichen Ort Wormsleben konnten wir dem grünen „L“ folgen. Hier muss oft ein starker Wind wehen, denn das Kreuz auf dem Kirchdach verbeugte sich vor den Besuchern. Dann führte der Weg uns weiter auf einem wunderschönen Wanderweg. Die wilden Kirschen am Wegrand laden zum Naschen ein und schmecken zuckersüß. Über eine riesige Wiese mit großen Heuballen hin zum See. Zum Baden nicht gut geeignet. Es geht gleich sehr tief abwärts. Der Sonnenschein lädt zum Rasten ein. Zeit zur Entspannung, für Andacht und Stille. Jeder beschäftigt sich mit dem gezogenen Bibeltext. Für das leibliche Wohl ist mit kleinem Picknick gesorgt. Wir folgen dem Lutherweg, der von großen Kirschplantagen umgeben ist, immer den See und die wunderschöne Natur im Blick. Kurz vor Seeburg ist unser nächster Treff. Wir werden von Gerhardt und Wilfried erwartet. Sie haben in der Zwischenzeit die Burg erkundet und ein Schiffrestaurant an Land entdeckt für unsere Mittagspause. Erst einmal ein Radler oder Kaffee und Apfelstrudel. Gegenseitig werden die Erlebnisse ausgetauscht. Weiter geht’s ca. 3-4 km bergauf Richtung Höhnstedt. Heidi hat für heute genug, sie fährt mit ihrem Gerhardt im Auto zum neuen Treffpunkt. Der Weg bietet für den sehr warmen Tag genug Schatten, und der Wegrand ist gesäumt mit leckeren Walderdbeeren. Die lassen uns immer wieder verweilen, und wir kommen nicht sehr schnell voran. An den Hängen wird überall Wein angebaut, und am nächsten Abzweig geht es auch zu einer Straußenwirtschaft, aber der Wein muss noch auf uns warten und Schluck Wasser tut es auch. Oh, hier zeigt ein Schild gar nach Egypten. Wo sind wir eigentlich? Fragt Barbara ganz erstaunt. Der Weg führt uns an einer alten Pferdestation vorbei und weiter durch Kornfelder bis hin nach Höhnstedt. Was ist das eigentlich: Weizen, Hafer oder Gerste? Ingrid weiß Bescheid und klärt uns auf als Bauerntochter. Das Tagesziel der Pilgerstrecke ist erreicht. Die Kirche in Höhnstedt ist geschlossen, alle Fotos nur über den Zaun möglich. Der Pfarrer ist wahrscheinlich verreist. Der Ort ist sehr beschaulich. Hier spürt man die Weingegend, überall gibt es Kellereien. Wir mussten uns sputen, dass wir vor der Schließung die VINOINFO erreichten. Ein Mitbringsel vom hiesigen Saale-Unstrut-Wein ist ein Muss. Mit dem Auto noch ein Abstecher nach Zappendorf zur „Betsäule“, eines der bedeutendsten Kleindenkmale des Saalekreises. Betsäulen sollten die vorbeiziehenden Reisenden erinnern, ein Gebet für das Seelenheil eines meist am Aufstellungsort verstorbenen Menschen zu sprechen. Diese Tradition hat sich nach der Reformation in den protestantischen Gegenden verloren. Die einen sprechen ein Gebet in der Stille und genießen einträchtig die Sonne. Nun ab nach Halle ins Hotel „Eigen“ einmal quer durch die Stadt bis Ammendorf am Rande gelegen. Kurze Verschnaufpause oder den schon längst fälligen Kaffee genossen. Heute sind alle mit ihren Zimmern zufrieden. Abschluss des Tages beim gemütlichen Schlemmen. Die Hotelservice-Dame empfiehlt uns ein Mediterranes Restaurant ganz in der Nähe. Ein kleiner Sparziergang, 5 Gehminuten entfernt, finden wir das Restaurant „ADRIA“ Balkan. Na gut, unter mediterran haben wir uns etwas anderes vorgestellt, aber es hat einen Garten, die Karte liest sich gut und wir werden nicht enttäuscht. Statt eines Schnaps hinterher, gibt es Salat für alle. Ingrid ist noch satt vom Mittagessen und trinkt 2 große Hefeweizen. Wir sind eine lustige Runde und haben so die richtige Bettschwere. Es ist heute sehr spät geworden.

Sonntag, 18. Juni 2017

Es ist Sonntag, wir haben die Nacht gut geschlafen und sehr gut gefrühstückt, nur die kleine Nelli bei Schmidts nicht. Sie haben angerufen, dem Hund geht es nicht so gut, eventuell Heimweh nach seinem Frauchen. Barbara ist sehr traurig und beschließt die Pilgertour zu beenden und auf dem schnellsten Weg nach Hause zu eilen. Margret sucht ihr eine passende Zugverbindung heraus. Sie hat noch etwas Zeit und nutzt sie, um noch am Gottesdienst teilzunehmen. Wir beschließen, mit der Straßenbahn in die Altstadt zu fahren und die Autos auf dem Hotelparkplatz zu parken. Es wird eine komplizierte Fahrt. Die Tarife und Tickets zu deuten wird für alle eine Zerreisprobe. Nun ja, andere Städte andere Sitten. Um 10 Uhr ist in der Marktkirche „Unser Lieben Frauen“ Gottesdienst. Eine Pilgergruppe wird erwartet, aber wir sind nicht gemeint. Wir konnten einen schönen Gottesdienst mit Propst Dr. J. Schneider und mit der Kantate „Brich dem Hungrigen dein Brot“ miterleben. Anschließend hatten wir die Möglichkeit uns die Kirche anzusehen, es gab einen Stempel in unser Pilgerheft und eine Sonderführung zur Totenmaske von Martin Luther. Unser Rundgang in Halle führte uns vorbei am Denkmal von Martin Luther an der Ostfront der Marktkirche. Weiter vorbei an einem Gedenkstein für Frauen und Mädchen, die hier in einer geschlossenen Venerologischen Station, menschenunwürdig behandelt wurden. An verschiedenen Stellen in der Stadt waren Infotafeln über das Leben von Martin Luther und der Reformation aufgestellt. Wir besuchten das Händelhaus, nur fehlte uns die Zeit für einen Durchgang. Anschließend besichtigten wir den Dom, in dem Luther oft predigte, und besuchten in der Neuen Residenz den bezaubernden Sommergarten. Eine Oase zum Verweilen. Im Foyer und Festsaal der Neuen Residenz wird die Ausstellung „Die Reformation und ihre Folgen“ gezeigt. Das Projekt wurde von Langzeitarbeitslosen gestaltet. Besucher können sich selbst in der Schablonen- und Drucktechnik oder im Münzprägen ausprobieren. Also noch rasch ein eigenes Druckerzeugnis gefertigt. Am Bach-Haus vorbei geht es zur Straßenbahn und zurück zum Auto. Den Kirchturm vom nächsten Ort konnten wir nur von Weiten sehen, als wir näher kamen wurde er eingezogen, wie uns Sigrid erklärte. Die nächste Station ist die Kirche in Landsberg. Besichtigen konnten wir diese Kirche nur von außen bei harmonischen Orgelklängen. Es wurde Gottesdienst gefeiert. Zum Trost gab es Eis. In der Autobahnkirche Brehna wurden wir sehr freundlich empfangen. Es gab kleine Lieder-, Gebets- und Segenshefte zum Mitnehmen. Spontan hielten wir eine Andacht. Die Kirche kann mit einer ungewöhnlichen Wandmalerei aufwarten. Wir werden von den Kirchendamen zu Kaffee und Kuchen in die Katakomben eingeladen. Noch schnell ein Dankeschön ins Gästebuch geschrieben. Nun aber auf zum Pilgern. Ca. 8 km vor Bitterfeld ging es zu Fuß weiter durch die Natur pur. Vorbei an skurrilen Bergbauseen. Leider ohne Bademöglichkeit: Bergbaugelände – Lebensgefahr! Zum Baden musst Du erst nach Bitterfeld bis zum Treffpunkt am Goitzschesee. Badesachen ausgeborgt und ins kühle Nass. Sah schon recht lustig aus. Von hier geht’s zu unserem Quartier zum Bücherhäuschen in Bergwitz. Ein kleines hübsches Bauernhaus mit viel Platz. Für die Frühstücksversorgung haben die Vermieter gesorgt. Der Kühlschrank ist gut gefüllt. Eine Möglichkeit, zu Abend zu essen, fanden wir nicht mehr. Die empfohlene Gaststätte „Zum Bergwitzsee“ hatte eine Öffnungszeit bis 20 Uhr. Leider zu spät. Der Bergwitzsee zog uns in seinen Bann, er schien so nah, und wir konnten nur Felder und Wiesen sehen. Aus einer kleinen Runde wurde eine große, zum See und zurück durch den Ort. Zum Schluss entdeckten wir eine Dorfkneipe. Gerhardt würde wohl gerne noch zum Essen einkehren. Die Mehrheit ist dagegen. Also selbst ist der Mann oder Wilfried. Der Tisch war gedeckt und das Frühstück für morgen schon einmal gekostet und der Saale-Unstrut-Wein verkostet. Bier ist auch da. So wird es noch ein lustiger Abend.

Montag, 19. Juni 2017

Nach Morgenandacht und Frühstück in Bergwitz ist heute wieder Pilgern angesagt, ca.14 km, vielleicht auch 2 mehr. Es ist wird heute sehr warm, und Heidi hat etwas Bedenken. Wir fahren bis zum Lutherstein bei Gräfenhainichen an der B2. Er hat die Inschrift „Eine feste Burg ist Gott“. Bereits im Herbst 1508 soll Martin Luther den Stein auf einer Wanderung von Erfurt nach Wittenberg passiert haben. 11 Jahre später, im Sommer 1519, reiste Luther nach Leipzig und wurde angeblich von vielen Studenten aus Wittenberg bis zu dem berühmten Stein begleitet. Auf seiner Rückreise wurde er hier auch wieder von den Studierenden erwartet, er soll auf den Stein gestiegen sein und von hier aus gepredigt haben. Wir wollen von hier aus mit dem Rucksack Richtung Kemberg. Gleich ein paar Meter weiter befindet sich eine Biberbeobachtungsanlage. Der Biber ist das Wahrzeichen der Region, das sich in verschiedenen Logos wieder findet. Vom Beobachtungsturm wird uns ein Blick über eine vom Biber gestaltete Landschaft gewährt. Was machen denn die Biber? Wir sehen keine, nur ein paar Graureiher, die wir anscheinend mit unserer Anwesenheit stören. Über den Weg zwischen Wittenberg und Kemberg soll Luther oft gestöhnt haben, da sein schlechter Zustand das Reisen unbequem machte. Wir können es heute nachempfinden, der Schotterweg ist sehr beschwerlich. Stärkung mit Walderdbeeren und Blaubeeren, die am Wegesrand stehen, und mit unseren Vorräten und einer kleinen Andacht aus dem Rucksack. Ingrid findet einen wunderschönen Steinpilz am Wegesrand. Und noch mehr Pilze - da gibt es Pilzsuppe. Die Sonne brennt immer stärker, aber der Wald schenkt Kühle. Die Wegbeschreibung lässt teilweise zu wünschen übrig. An einer niedlichen kleinen Quelle füllen wir unsere Wasserflaschen auf. Die Wegbeschreibung stimmt nicht mehr. Es ist kein Lutherwegzeichen zu sehen. Margrets Hinweise auf die Himmelsrichtung versteht keiner, aber es steht fest; die Richtung stimmt nicht. So bitter wie es ist, es geht 2 km zurück. Es wird immer wärmer, und in der gleißenden Sonne zu spazieren ist teilweise eher anstrengend. Wir treffen auf einige schöne Bänke, die mit kurzen Luthersprüchen versehen sind. Sie sollen „Denkstellen der Reformation“ sein und wurden durch das Bildungsprojekt "Denkwege zu Luther" in der Workshop Reihe "Holz-Stroh-Lehm" im "Haus Spes" gefertigt. Mit etwa 2 Stunden Verspätung erreichen wir unseren Treffpunkt in Lubast. Hier stärken wir uns bei einem Radler, Kaffee, Bier, Eis und Kuchen. Von hier sind es noch 4 km bis Kemberg. Zu viert laufen wir weiter. Heidi steigt zu ihrem Mann ins Auto. Es ist bereits nach 18 Uhr, als wir unser Tagesziel in Kemberg erreichen. Die Kirchentür der St. Marien Kirche ist verschlossen. Wir können uns noch telefonisch anmelden, aber wir wollen noch in Bergwitzsee zum Schwimmen. Der Herbergsvater vom CVJM „Gloecknerstift“ in Wittenberg hat sich auch bereits gemeldet, weil er uns erwartet. Also auf nach Bergwitz an den See zum FKK. Der gebührenpflichtige Parkplatz liegt fast 10 Gehminuten von der Badestelle entfernt. Selbst um 18:30 Uhr kontrolliert der Herr vom Ordnungsamt noch die Parkscheine. Wilfried und Gerhardt hat es heute bereits mit einem 15-Euro-Strafzettel erwischt. Nach dem Bad fühlen wir uns wie neu geboren. Nun auf nach Wittenberg. Wir treffen gegen 19:45 Uhr ein, sind aber erst zu 20:30 Uhr in der Herberg verabredet. Rosi, Sigrid und Margret haben noch genügend Energie für einen kurzen Abendspaziergang in Wittenberg. Unsere Herberge befindet sich zentral in der Fleischergasse. Wir sind etwas erstaunt, dass so wenig los ist - Cafés geschlossen? Aber flugs um die nächste Ecke tobt das Leben. Dann zurück zum Quartier. Herr Schneider, ein alternativer Typ mit Pferdeschwanz und Brille, empfängt uns. Er hält einen sehr ausführlichen Vortrag über Verhaltensregeln in der Herberge und teilt die einzelnen Zimmer mit je einem 3-Etagen-Bett zu. Die Duschen und die Toiletten für Damen und Herrn im Gang. Mit einer Abendandacht und dem Luthersegen lassen wir den Tag ausklingen. Unser gemeinsames Abendessen nehmen wir im Frühstückraum ein. Rosi, Heidi und Sigrid haben zuvor eingekauft. Mit Bier, Wein und einem leckeren Obstler aus der Gegend, den Sigrid spendiert, findet der Abend einen gemütlichen Abschluss. So haben wir alle die nötige Bettschwere. Ingrid entscheidet sich für das oberste Bett, muss dann aber feststellen, dass Bettenbeziehen in der dritten Etage doch nicht so lustig ist und die Luft unter der Decke auch nicht die Frische von Alpenluft verspricht. Wir überstehen die Nacht ganz gut bei weit geöffnetem Fenster. Haben ja auch eine beachtliche Wanderung von ca. 20 km hinter uns. Ingrid ist das wohl doch zu warm unter der Decke und ruft nach Marcus im Halbschlaf. Er möge doch das Fenster öffnen.

Dienstag, 20. Juni 2017

Das ausgiebige gemeinsame Frühstück hat uns für die einfache Unterkunft wieder entschädigt. Außer uns befand sich noch ein weiterer Gast im Haus. Rauschebart, wie Margret ihn nannte. Ein schlanker, weißhaariger Mann mit Vollbart. Vielleicht um die Sechzig. Wir baten ihn an unseren Frühstückstisch. Nach seiner Erzählung kommt er aus Niedersachsen und hatte bereits eine Pilgergruppe mit Fahrrädern aus Hamburg begleitet. Er verweilt hier in Wittenberg noch etwas, um bei der Weltausstellung im Lutherjahr ehrenamtlich tätig zu sein. Wilfried spendiert einige Flaschen Piccolo für ein zünftiges Sektfrühstück, das wie immer mit einer kleinen Andacht beginnt.

Anschließend Sachen packen und ab in Wittenberger Altstadt. In Ihr kann man Weltgeschichte nachspüren und erleben. Vor der Stadtkirche noch schnell ein Stempel in unseren Pilgerpass. Die Stadtkirche Sankt Marien ist als Martin Luthers Predigtkirche eng mit dem reformatorischen Geschehen verbunden. Besonders beeindruckend ist der Cranach-Altar. Er gilt geradezu als der Reformationsaltar. Das Wort wird ausgeteilt für alle. Gleichzeitig konnten wir Werke von Ernst Barlach sehen. Unser Weg führte uns auf dem Marktplatz vor dem Rathaus vorbei an Luther- und Melanchthondenkmalen. Kurzer Stopp in den Höfen des Meisters Cranach. Sigrid war begeistert von den Engeln, andere von dem schönen Garten – Heidi muss für ihren Gerhardt eine Skizze anfertigen für die Umsetzung im eigenen Garten. Und Ingrid war verliebt in die Skulptur Cranachs. Weiter zur Schlosskirche mit der 95-Thesentür und den Gräbern Luthers und Melanchthons. Im Schlosshof konnten wir den Ausführungen folgen, die einer Schulklasse gegeben wurde. Und noch ein Stempel für die Schlosskirche. Zur Erinnerung ein Foto vor der Thesentür der Schlosskirche. Langsam geht es zurück. Vorbei am Melanchthonhaus, dies gilt als eines der schönsten Bürgerhäuser der Stadt. An den Seiten des Eingangsbereiches befinden sich kleine Podeste. Wie uns Sigrid erklärt sind diese zum Schwätzen vorgesehen. Wir besuchen die Bibelausstellung „Unser Buch“, gezeigt wird die größte, die kleinste und die längste Bibel der Welt. Man erfährt über die Geschichte der Bibel von Mose bis zum Mond. An einem kleinen Druckstock kann jeder tätig werden und einen Bibelvers selber drucken oder digital ein Foto erstellen mit einem aus gewählten Bibeltext. Margret kommt mit der Ordensschwester Maria aus Schönebeck an der Elbe nett ins Gespräch. Maria ist für die Schniewind-Haus-Schwesternschaft tätig. Sie erzählt von unseren Pilgertouren. Sollte es uns einmal beim Pilgern dorthin verschlagen, sind wir in Schönebeck im Gästehaus herzlich Willkommen. Margret hat schon mal die Adresse. Bei den Johannitern werden wir alle mit einem Glas Wasser begrüßt, was an solch heißen Tagen eine tolle Idee ist. Wir erfahren einiges über die Geschichte und dem Wirken des Johanniterordens. Auf dem Weg zum Lutherhaus kann man auch ganz persönlich auf Luther treffen. Oder auf sein Wirken. Beim Lutherhaus angekommen dürstete uns es wieder sehr und der Magen knurrte. Wir fanden ein schattiges Plätzchen für unsere Pause. Unsere Abschlussbesichtigung war die 3600-Ausstellung LUTHER 1517, ein Panoramakunstwerk von Yadegar Asisi. Das Zusammenspiel von Musik, Sprache und Bild war beeindruckend und sehr imposant, um sich in das Mittelalter und die Anfänge der Reformation zurück zu versetzen. Auf dem Weg zur Herberge noch ein paar Sprüche und Eindrücke der Weltausstellung in Wittenberg eingefangen. Zum Abschluss halten wir noch eine Andacht mit Reisesegen im Garten vom Glöcknerstift.

Nun ist es doch später als gedacht, und es geht gegen 16 Uhr Richtung Heimat. Im Gepäck hat jeder seine Erlebnisse, Erfahrungen und vielleicht auch ein wenig von sich selbst entdeckt. Es waren gelungene interessante Pilgertage.

Margret Rosenberg und Rosemarie Dieck

 

(siehe auch die Bildergalerie auf unserer Website!)